Übers Reisen, Erleben & Fremdschämen

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Gastbeitrag: Auf ihren Blog www.reiseerfahrungen-blog.de schreibt Sandra über ihre Erfahrungen – die guten und auch über die weniger guten – auf ihrer Weltreise. Ihre Reiseziele erkundet sie individuell und lernt gerne die Menschen und Kulturen des Landes kennen. Sie kocht (und isst) leidenschaftlich gerne, genießt die Ruhe am Strand oder ist aktiv beim Wandern, Klettern oder Tauchen. Und natürlich schreibt sie gerne.

Heute plaudert sie hier ein wenig über ihre Reiseerfahrungen und das Thema verantwortungsbewusstes Reisen, was ihr, wie auch mir, sehr am Herzen liegt.

Was Reisen mit sich bringt. Erfahrungen und Tipps einer Weltreisenden

Noch nie zuvor war es so einfach die Welt zu bereisen wie heute. Langstreckenflüge sind schon lange erschwinglich geworden und wer seine Reise nicht selbst organisieren will, der kann sich einen der unzähligen Reiseveranstalter aussuchen. Die Anzahl der Reiselustigen steigt und auch ich bin viel unterwegs. Gerade deshalb häufen sich die Angebote, wobei oft nicht ersichtlich ist, in wessen Tasche dein hart erspartes Reisebudget tatsächlich landet.

Wäre es nicht oft besser Ausflüge, Touren und Guides vor Ort zu buchen? Muss es wirklich ein Zimmer mit Pool einer internationalen Hotelkette sein? Und ist es tatsächlich notwendig, dass man in jedem Winkel der Erde ein „Happy Meal“ erstehen kann? Die Antworten auf diese Fragen und was mich sonst noch auf meiner Weltreise beschäftigt, erfährst du in diesem Beitrag.

Bleib besser am Boden und heb nicht zu oft ab

Seit mehr als 10 Monaten bin ich mittlerweile unterwegs. Morgen geht es nach Mexiko, Land Nr. 19 auf meiner Weltreise, die mich ein Jahr lang hauptsächlich durch Asien und Teile Zentralamerikas führt. Mit dem Zug bin ich durch Russland und die Mongolei sowie durch ganz China gereist und habe nach einem Zwischenstopp in Indonesien, Neuseeland mit einem Campervan erkundet, bevor ich mir Südostasien vorgenommen habe.

Jetzt gerade bin ich in Zentralamerika unterwegs und werde in ein paar Wochen auch der Karibikinsel Kuba einen Besuch abstatten. Mit dem Flugzeug natürlich. Den Großteil der Länder habe ich allerdings per Zug oder Bus bereist. Nicht nur um mein Reisebudget nicht zu stark zu belasten, sondern auch, weil ich gerne die Menschen des Landes kennen lerne. Die schönsten und einprägsamsten Erinnerungen habe ich aufgrund des Zusammentreffens mit Menschen gesammelt, die in einer ganz anderen Welt zu Hause sind als ich.

So hatte ich unter anderem die Gelegenheit mit einer russischen Familie im beengten Abteil der transsibirischen Eisenbahn zu Abend zu essen und dabei Geschichten über die Bärenjagd in Sibirien gelauscht. Auch wenn wir uns kaum mit den überraschend freundlichen Russen unterhalten konnten, saßen wir bis spät in der Nacht zusammen und konnten nicht genug davon bekommen uns mit allen möglichen Hilfsmitteln zu verständigen.

Doch auch der Umwelt zu Liebe habe ich zumindest versucht am Boden zu bleiben. Zwar habe ich angestrebt so wenig wie möglich zu fliegen, dennoch habe ich mittlerweile über 10 mal einen Flughafen betreten und Unmengen an Flugmeilen gesammelt, wobei ich überlege, meine CO2-Emmissionen zu kompensieren, auch wenn eine Klimaneutralität damit wohl kaum erreicht werden wird.

Bild 1 - Transsibirische Eisenbahn

Ist das Wetter hier immer so?

Auch anderswo auf der Welt kommt man beim klassischen Small Talk schnell zum Thema Wetter. „So etwas hatten wir noch nie“, war in diesem Zusammenhang die meist verwendete Phrase. Zu früher Regen in Guatemala oder Dürre in Kambodscha ist nur ein kleiner Auszug aus den Veränderungen, die gerade die Landwirtschaft dieser Länder als wichtigsten Einkommenszweig in eine schwierige Situation bringt.

Und als wir dann in der Kältewelle des Jahrhunderts, die Teile Asiens Anfang des Jahres heimgesucht hat, selbst mit den Laoten mitfrieren, wird uns noch mehr bewusst, dass Klimawandel nicht nur ein neumoderner Ausdruck ist, sondern offensichtlich tatsächlich stattfindet.

Bild 2 - Regen in Laos

Achte darauf, bei wem dein Geld landet

Auf meiner Weltreiseroute liegen hauptsächlich Destinationen, welche die Vereinten Nationen als Länder der Dritten Welt einstufen. Länder also, die ein niedriges Pro-Kopf-Einkommen sowie in Bereichen wie Bildungsstand, Infrastruktur und im Bezug auf Sozialleistungen Defizite aufweisen. Zudem herrscht im Vergleich zu Industriestaaten oder Schwellenländern eine hohe Arbeitslosigkeit. In diesen Ländern mit derart schwerwiegenden Problemen habe ich bisher den Großteil meiner Reise verbracht. Wunderschöne Länder mit herrlichen Stränden, üppiger Vegetation sowie Tierwelt und Menschen, die trotz der herausfordernden Lebenssituation freundlich sind. Entsprechend habe ich versucht mein Geld dort auszugeben, wo es die Menschen auch unmittelbar erreicht.

Als Individualreisende habe ich ohnehin nicht oft auf die Dienste eines Reiseveranstalters zurückgreifen müssen und selbst dann, habe ich versucht Unternehmen zu finden, die die lokale Bevölkerung unterstützen. Und es ist viel einfacher als gedacht, wobei es hier leider auch schwarze Schafe gibt, die sich mit fremden Federn schmücken. Lebensmittel und Obst habe ich meist um die Ecke beim Marktstand gekauft und mein Abendessen habe ich oft bei der netten Dame auf Plastikstühlen am Straßenrand zu mir genommen.

Obwohl ich mir der Vorzüge von Hotelketten bewusst bin, habe ich die Nächte in Hotels und Gästehäusern Einheimischer verbracht. So landet mein Geld nicht nur in den richtigen Hosentaschen, sondern auch mein Reiseerlebnis wird so viel einprägsamer, weil ich oft viel enger in Kontakt mit den Menschen komme. Buchungsplattformen habe ich nur in Ausnahmefällen verwendet, da die Kommission von bis zu 15%, die für den Betrieb anfallen, gerade in diesen Ländern sehr belastend sein können.

Bild 3 - Fruitjuice Stand in Laos

Wenn zwei Welten aufeinander treffen

Gerade die modernen Medien unserer Zeit ermöglichen es, dass auch die Menschen dort genau wissen, welche Gadgets auf der anderen Seite der Welt gerade angesagt sind. So kommt es, dass unser Guide in Vietnam zwar ein hochmodernes und im Übrigen weitaus teureres Smartphone als wir besitzt, sich in seinem kleinen Haus, das eher einem Verschlag ähnelt, jedoch kein Bodenbelag befindet. So sitzen wir also auf dem staubigen Boden seines Hauses und genießen die Gastfreundschaft seiner Frau, während im Hintergrund der Flachbildfernseher läuft. Verhältnismäßig schnelles Internet gibt es beispielsweise in Südostasien überall und selbst auf einer Busfahrt in der kambodschanischen Provinz können wir problemlos im WIFI des Busses surfen. Auch internationale Fast Food Konzerne drängen immer mehr in touristische Zentren dieser Länder, wobei deren Preise denen bei uns in Europa beinahe gleichkommen. Ein etwas befremdliches Bild, wenn man eine klapprige Kutsche vor einer Hochglanz McDonalds Filiale vorbeifahren sieht. Schon eine verrückte Welt, in der wir leben!

Noch nirgends auf meiner Reise war der Kontrast so groß wie in Mynamar. Erst seit etwa 5 Jahren hat sich das Land nach rund 50 Jahren Militärdiktatur geöffnet, was nun auch mehr Touristen ins Land lockt. Großkonzerne siedeln sich an, neue Straßen werden gebaut und auch ein passables Internetnetz erstreckt sich über Teile des Landes. War es noch vor wenigen Jahren unerschwinglich ein simples Mobiltelefon zu besitzen, so hält heute zumindest in den Städten jeder ein Smartphone in der Hand. Myanmar ist somit das einzige Land, das den Sprung von keinem Mobiltelefon zu Smartphone hingelegt hat.

Auch bei jungen Menschen in Myanmar ist der Longji, ein traditioneller Wickelrock, noch en vougue und jeder trägt sein Smartphone lässig im Bund seines Rockes. Besonders Kinder und Frauen tragen als Sonnenschutz die gelbliche Paste „Thanaka“ im Gesicht, die je nach Anlass auch eine spirituelle Bedeutung haben kann. Die Öffnung Myanmars bringt zwar viele Chancen und vor allem Arbeitsplätze mit sich. Dennoch hoffe ich, dass sich dieses Reisejuwel seine einzigartigen Traditionen und Werte langfristig erhalten kann.

Bild 4 – Fischer am Strand in Myanmar

Von unpassendem Verhalten und Respekt

In Vietnams Badeort Nah Trang haben wir uns zurückversetzt gefühlt in unsere Zeit in Russland. Kyrillische Schriftzeichen dominieren den Schilderwald und auch wir werden von Vietnamesen auf Russisch angesprochen. Eine Vielzahl an Direktflügen eines Reiseveranstalters aus Russland führen zu dieser Dichte an russischen Reisenden.

Wie so oft wenn viele Menschen aus einem Land an einem Ort Urlaub machen, verhalten sich diese leider nicht so, wie man es von ihnen erwarten sollte. Oben ohne ist nicht nur am Strand in Mode und auch der Alkoholkonsum mit einhergehendem lautstarken Verhalten ist an der Tagesordnung. Fremdschämen erreichte für mich an diesem Ort eine neue Dimension und auch die Vietnamesen freuen sich zwar über den Touristenzustrom, können aber das Verhalten der Russen so gar nicht leiden.

Bild 5 – Schild in Nah Trang, Vietnam

Müllberge im Paradies

Am meisten schockiert auf meiner Reise hat mich der gedankenlose Umgang mit Müll, insbesondere Plastikverpackungen. Ganz abgesehen davon, dass Wasser in großen Teilen der Welt in Plastikflaschen abgefüllt wird, da Leitungswasser nicht trinkbar ist. Dass die leeren Flaschen unachtsam oder unwissend einfach beim Fenster des fahrenden Buses hinausgeworfen werden, hat mich gleichermaßen schockiert und traurig gemacht.

Müll auf karibischen Traumstränden und auf atemberaubenden Wanderwegen in Zentralamerika ist leider keine Seltenheit. Teil des Problems ist bestimmt Unwissenheit, jedoch auch Ignoranz. Wie groß dieses Problem tatsächlich ist, weiß ich erst, seitdem ich es selbst gesehen habe. Doch es gibt auch Länder, die mit gutem Beispiel voran gehen. Auf einer Rundreise in Costa Rica kannst du die Bemühungen in Richtung Ökotourismus bereits gut sehen. Immerhin verfügt das Land auch über einen Naturschatz, den es zu bewahren gilt.

Bild 6 – Sauberer Strand

Du musst nicht gleich die Welt retten, wenn du auf Reisen gehst. Doch auch deine Entscheidungen, können einen Unterschied machen. Jedoch empfehle ich dir dich zu informieren und dich vor allem auf die Traditionen deines Reiselandes einzulassen. Sei tolerant und offen, dann wirst du großartige Menschen und deren etwas andere Lebensweise kennen lernen (dürfen). Achte auf deinen Wasserverbrauch und produziere nicht mehr Müll als unbedingt notwendig.

Für dich macht es keinen Unterschied bei wem du ein paar Dollar für dein Abendessen ausgibst. Für viele Einheimische sind diese kleinen Beträge überlebenswichtig. Lass dich auf die traditionellen Speisen des Landes ein und komme mit den Einheimischen ins Gespräch. Und plötzlich bekommst du viel mehr, als du bestellt hast!

Hi, ich bin Matthias und reise gerne fernab der Massentourismuspfade, aktiv und abenteuerlich, aber zugleich auch genussvoll und entschleunigt. Am liebsten mit Rad, Rucksack oder Handgepäck. Auf diesem Blog findest du neben Reiseberichten und Tipps auch Interviews, Gedanken, Gastartikel und viele Eindrücke zum Reisen mit dem Fahrrad.

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