Das verrückte Ende unserer Radreise durch Ost-Europa

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Die letzte Woche unserer Radreise hat begonnen. Wir sind in Sibiu (Hermannstadt) in Rumänien und wollen nach Wien. Von dort geht es dann noch 350 km mit dem Rad entlang der Donau bis nach Passau, bevor es von da mit dem Zug zurück nach München geht.

Leicht gesagt! Seit drei Wochen versuchen wir einen Nachtzug zu buchen, doch aufgrund der aktuellen Flüchtlingskrise fahren die Züge nur bis Budapest, wenn überhaupt.

Ich sage dir, das ist ehrlich gesagt eine ziemliche Belastung: Die Zeit rennt, der Tag der Abreise rückt näher, und noch immer wissen wir nicht, wie es nach Hause geht. Nach vier Monaten Radreise durch Ost-Europa sind unsere Kräfte und unser Budget am Ende. Daher ist länger bleiben oder fliegen keine Option.

Drei Tage vor unserer geplanten Abreise haben wir endlich Glück: Die Züge fahren wieder! Mir fällt ein Stein vom Herzen. Aber unsere Fahrräder können wir NICHT mitnehmen! Whaaaat!?

Der freundliche Ticketverkäufer und mein rumänischer Freund Dumitru sprechen einen Tag vor Abreise lange mit dem Schaffner. Keine Chance! Die Nerven liegen blank. Letzter Ausweg: Wir bauen die Räder auseinander und versuchen sie zusammen mit unseren endlos vielen Fahrradtaschen mit an Bord zu nehmen und in unserer Schlafkoje zu verstauen.

 

 

An Bord des Zuges kommt auch schon ein Schaffner, um uns zu kontrollieren. Nach einer gefühlten Ewigkeit segnet er die Mitnahme zähneknirschend ab. Noch nicht einmal Bestechungsgeld mussten wir zahlen. Alter, selten war ich so glücklich und erleichtert.

Nach 15 Stunden Zugfahrt kommen wir dann im 20 Grad kälteren Wien an. Brrr… Aber was für ein befreiendes Gefühl, dass alles doch so gut geklappt hat. Nun nur noch vier Tage jeweils 85 km mit dem Fahrrad fahren und wir sind zurück in Deutschland.

Donauradweg Wien Passau (3)

Wir machen einen Zwischenstopp in Krems an der Donau und treffen Elena, eine Blogger Freundin, die uns zu sich einlädt und uns mit österreichischen Köstlichkeiten und Wein aus der Region verwöhnt. Danke nochmal liebe Elena und viel Erfolg mit deinem neuen Buch The Creative Traveler’s Handbook . 🙂

Die Saison auf dem Donauradweg ist bereits vorüber, dennoch sehen wir hier in vier Tagen gefühlt so viele Radreisende, wie in den gesamten vier Monaten in Ost-Europa.

Donauradweg Wien Passau (1)

Letzter Abend – letztes Highlight

Da wir eine Donaubrücke übersehen haben, sind wir plötzlich schon in Deutschland. Kein Willkommensschild an der Grenze wie in allen anderen Ländern und auch kein Radweg mehr – nur eine schmale dichtbefahrene Straße. Man oh man, was für ein hässlicher Empfang in unserem Heimatland. Zum Zelten zu kalt und Unterkünfte viel zu teuer. Wir sitzen am Steg, wo die Fähre auf die schönere österreichische Donauseite übersetzt und wollen zurück. Nur leider fährt die nächste Fähre erst wieder morgen früh. Ein älteres Pärchen spricht uns an und lädt uns spontan ein, bei ihnen zu übernachten. So ein schöner Zufall! Wir genießen einen tollen Abend mit interessanten Gesprächen, leckerem Essen und viel Wein, in einem superschönen Haus mit beeindruckender Größe und Wahnsinnsausblick ins Donautal. Was für ein perfekter letzter Abend!

Donauradweg Wien Passau (2)

Am nächsten Tag kommen wir bei strahlendem Sonnenschein in der Dreiflüssestadt Passau an. Ich stehe auf einer Brücke und schaue auf den Zusammenlauf von Donau, Inn und Ilz. Ein schöner Moment am Ende unserer Reise, die hauptsächlich an der Donau entlang ging.

Als wir später am Münchner Hauptbahnhof aussteigen, um zurück zu meiner Wohnung zu fahren, fühlt es sich sehr komisch und leer an in mir. Ich war schon oft lange Zeit unterwegs, aber diesmal ist es anders. Obwohl ich mich seit Langem auf zu Hause freue, bleibt die Euphorie aus. Es wird hoffentlich nur einige Tage dauern, bis ich richtig ankomme.

Ende unserer 4-monatigen Radreise durch 8 Länder in Ost-Europa. Danke an alle, die mir hier so eifrig gefolgt sind 🙂

 

Hi, ich bin Matthias und reise gerne fernab der Massentourismuspfade, aktiv und abenteuerlich, aber zugleich auch genussvoll und entschleunigt. Außerdem unterstütze ich verantwortungsbewusstes Reisen und nachhaltige Tourismuskonzepte. Auf diesem Blog findest du neben Reiseberichten und Tipps auch Interviews, Gedanken, Gastartikel und viele Eindrücke zum Reisen mit dem Fahrrad.

Discussion2 Kommentare

  1. Ich lese ja kaum Reiseblogs – aber Euren und das mit Euren Radtouren / EuroVelo / Serbien – etc. das zieh ich mir jetzt ordentlich rein – wirklich tolle Berichte, ich liebe solche Langzeitradtourenreports. Auf ein Wiedersehen irgendwo auf der Welt! lg

    • hehe, oh ja, wir lesen es auch manchmal um es revue passieren zu lassen 😀 viel spaß schon jetzt dabei meine liebe und bis bald mal wieder 🙂

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