Abschiedsmomente: Zu Gast in meiner eigenen Heimat

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Ein Liebesbrief an meine Wahlheimat München: Dies ist eine Geschichte über die Herausforderung, sich als digitaler Nomade zu Hause zu fühlen und über die Fernbeziehung zu meinem noch-Wohnort München.

Ich habe es schon wieder getan…

In meinem vierten Jahr in München habe ich es schon wieder getan. Obwohl ich den Münchner Frühling und Sommer so sehr liebe, habe ich meine Wohnung in Maxvorstadt erneut untervermietet. Durch meine neue selbstständige und ortsunabhängige Tätigkeit, bin ich gerade so viel unterwegs, dass sich die hohe Miete derzeit für mich nicht lohnt.

Die Zeiträume zwischen meinen Terminen und Reisen nutze ich für einige Besuche bei meinen Eltern in Ibbenbüren im Münsterland. Ich freue mich, dass ich sie gerade häufiger sehen kann, als in den vergangenen Jahren, wo ich sie oft nur einmal pro Jahr besucht habe.

Zu Hause Gast sein

In den letzten Monaten war ich immer mal wieder für ein paar Tage in München und habe Freunde besucht. Nun ist es wieder soweit. Eine ganze Woche bleibe ich, wenn auch nur rein geschäftlich, u.a. für einen Vortrag auf dem Networking Event ‚Travel Massive Munich‘, für einen Hoteltest des neuen Hotels Soulmade, sowie für eine Zusammenarbeit mit dem Münchner Flughafen. Ich freue mich auf München – mein Zuhause.

Meine Euphorie ist allerdings ein wenig abgeschwächt. Wahrscheinlich durch die bisherige zweifache Untervermietung und das viele Reisen der letzten 12 Monate, sowie dem Fakt, dass ich meine Wohnung, also mein festes Zuhause, hier gerade nicht nutzen kann. Ich fühle mich leider immer mehr wie ein wiederkehrender Gast. Dazu kommt Babs und mein anstehendes Reiseprojekt. Ab Herbst werden wir digital-nomaden-mäßig ein Jahr in der Welt unterwegs sein und München wohl erneut fern bleiben.

München, wie soll es mit uns weitergehen?

Eine sehr gute Frage. Bisher steht nur Eins fest: Vor allem aufgrund unserer Reisepläne habe ich meine super tolle Wohnung nach langer Überlegung zum Ende des Sommers gekündigt, was sehr viel Überwindung gekostet hat und ein wirklich großer Schritt für mich war. Das Schöne daran: Es gibt mir ein noch größeres Gefühl der Freiheit und Flexibilität, welches ich gerade für diese lange Reise gut gebrauchen kann.

Ein Feuerwerk der Emotionen

Es ist Freitagabend und die Woche in München neigt sich dem Ende zu. Mit meinem Koffer stehe ich am menschenleeren Bahnhof in München Fröttmaning am Stadtrand nahe der Allianz Arena, von wo es mit dem Flixbus über Nacht zurück nach Osnabrück geht.

Bevor der Bus kommt, soll aber noch mein ganz persönlicher und sehr emotionaler Abschiedsmoment stattfinden, den ich eigentlich erst zu meiner Wohnungsauflösung Ende Juli erwartet habe.

Aus der Ferne vernehme ich Partygeräusche. Zu meiner Linken strahlt die Allianz-Arena in rot und blau. Ich gehe ein paar Schritte, und erblicke plötzlich in der Ferne ein atemberaubendes Feuerwerk. Es erinnert mich an die unbeschreiblichen und einmaligen Jahre, die vielen Events, den Luxus der Großstadt, meine schöne Wohnung und all das, was ich in und um diese schöne Stadt mit meinen Freunden, meiner Freundin und meinem Fahrrad hier erlebt habe.

Im Sommer finden in München fast wöchentlich Feuerwerke statt. Dieses Feuerwerk ist anders. Es ist durch die Entfernung lautlos, ich höre nicht einen Knall. Vor mir sehe ich die Bilder meiner Erinnerungen, zum Greifen nah. Ich vergieße eine Träne der Trauer und eine der Freude, eine für den Moment des Abschieds und eine der Dankbarkeit, all das erlebt zu haben.

Auch wenn es schon immer eine kleine Hassliebe zwischen mir und der Stadt München gab, ich merke gerade, dass es mir selten so schwer fiel, Abschied zu nehmen.

Das Feuerwerk ist so nah und doch so fern. Es steht für das Leben im Moment, die Vergänglichkeit und die Erinnerungen, die aber auf ewig bleiben werden.

Eines wird mir an diesem Abend klar: Wenn ich will, kann ich jederzeit nach München zurückkehren. Wenn ich nächstes oder übernächstes Jahr nach Deutschland zurückkomme, wenn ich keinen neuen Ort zum Leben finde oder mich irgendwann wirklich richtig niederlassen möchte.

Dann wird es neue unvergessliche Sommer mit tollen Feuerwerken geben. Ich liebe Feuerwerke!

Hallo, ich bin Matthias und reise gerne fernab der Massentourismuspfade, aktiv und abenteuerlich, aber zugleich auch genussvoll und entschleunigt. Außerdem unterstütze ich verantwortungsbewusstes Reisen und nachhaltige Tourismuskonzepte. Auf diesem Blog findest du neben Reiseberichten und Tipps auch Interviews, Gedanken, Gastartikel und viele Eindrücke zum Reisen mit dem Fahrrad.

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