Was ist „Nachhaltiger Tourismus“?

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Ok, los geht’s! Lass uns langsam anfangen. Du hast sehr wahrscheinlich eine Vorahnung, was nachhaltiger Tourismus, auch „sanfter Tourismus“ genannt, sein könnte und hast irgendwo schon mal davon gehört. Vielleicht hast du sogar bereits bewusst oder unbewusst daran teilgenommen oder dazu beigetragen. Wie auch immer, sobald man das Wort „Tourismus“ hört, sei es in den Nachrichten, Reportagen oder in Gesprächen, assoziieren die meisten Menschen fälschlicherweise Begriffe wie „Massentourismus, Pauschalreisen, Konflikte mit Touristen und Einheimischen, Zerstörung von Natur und Lebensraum, Profitgier von Reiseveranstaltern, usw.“. Fazit: Entweder ist es den meisten egal, hauptsache sie haben einen tollen Urlaub – oder es sind überwiegend negative Gedanken, die um das Wort „Tourismus“ kreisen. So weit, so gut…

Was wenn ich dir sage, dass die Menschen, die in der Tourismusplanung und -entwicklung involviert sind, in den meisten Fällen nachhaltige Ziele anstreben?! Ich habe Tourismus und Destination-Management studiert. Der Hauptfokus des Bachelor- und Masterstudiengangs war, und nun darfst du raten: Genau, „Nachhaltige Tourismus-Entwicklung“ in Zielgebieten. Gerade heutzutage ist es wichtiger als je zuvor, Tourismus nachhaltig zu planen, da der Tourismus als Haupttreibkraft zur Lösung von destinations-spezifischen Problemen gesehen wird. Probleme wie zum Beispiel Armut, Arbeitslosigkeit und natürlich Schutz von Umwelt, Natur und Kultur. Falls falsch geplant, kann Tourismus eine ganze Destination langfristig schaden. Kommerzialisierung von Kulturen, Überschreitung der Besucherzahlen, Zerstörung von Lebensräumen der Einheimischen, Tieren und Pflanzen. All dies führt unter anderem auch zum Imageschaden und ist langfristig weder tragbar noch profitabel.

Die United Nations Word Tourism Organisation (UNWTO) definiert nachhaltigen Tourismus oder auch „sanften“ Tourismus wie folgt:
„Nachhaltige Tourismus-entwicklung befriedigt die heutigen Bedürfnisse der Touristen und Gastregionen, während sie die Zukunftschancen wahrt und erhöht. Sie soll zu einem Management aller Ressourcen führen, das wirtschaftliche, soziale und ästhetische Erfordernisse erfüllen kann und gleichzeitig kulturelle Integrität, grundlegende ökologische Prozesse, die biologische Vielfalt und die Lebensgrundlagen erhält.“

Warum ist es so wichtig?

Angenommen eine internationale Hotelkette baut ein Hotel in Thailand, dann sollte diese in ihrem Grundsatzprinzip zustimmen, mindestens 60 Prozent Einheimische im mittleren und oberen Management zu beschäftigen. Außerdem ist es wichtig, dass Lebensmittel, Getränke und andere Dienstleistungen und Güter, die das Hotel benötigt, von lokalen Anbietern gekauft werden. Weshalb? Um Jobs zu schaffen, zu erhalten und das Einkommen der Einheimischen der eigenen lokalen Wirtschaft zu Gute kommt. Hierdurch profitiert die Thailändische Bevölkerung langfristig vom Tourismus im eigenen Land.

Nachhaltiger Tourismus kann ebenfalls in Form von Umweltschutzprogrammen stattfinden. Der große Vorteil ist, dass es in jedem Ort, egal wo, implementiert werden kann. Gerade durch kleine nachhaltige Tourismusprojekte in lokalen Gemeinden können gute Taten schnell Früchte tragen.
Wenn dieses Prinzip noch stärker in Entwicklungsstrategien für Tourismusdestinationen einfließt und nachhaltige Tourismusprojekte noch stärker auf die spezifischen Bedürfnisse eines Ortes, einer Destination angepasst werden, haben Touristen und Einheimische die Chance, unseren Planeten und die atemberaubende natürliche Vielfalt von Natur, Völkern und Kulturen noch stärker zu schützen und zu bewahren. Eine typische win-win-Situation. Hier ist ein Beispiel aus der Dominikanischen Republik:

Ich weiß, dieses Thema umfasst so viel mehr. Dieser Artikel sollte aber nur dazu dienen, einen ersten Einblick über nachhaltigen Tourismus zu geben. Dieser Beitrag befasst sich hauptsächlich mit der angebotsorientierten Perspektive. Sprich Tourismusprojekte, Planung und Entwicklung durch Regierungen, Gemeinden und Reisedienstleistern wie Hotels und Veranstaltern. Im nächsten Beitrag findest du raus, was DU als Reisender tun kannst, um dieses Prinzip zu unterstützen. Genauer gesagt, wie du durch dein Verhalten ein noch authentischeres Reiseerlebnis bekommst. Das Stichwort heißt „Verantwortungsbewusstes Reisen“. Interessiert? Dann geht’s hier weiter …

Und jetzt bist DU an der Reihe. Bist du schon mal nachhaltig gereist oder hast andere gute Beispiele? Einfach kommentieren 🙂

Hi, ich bin Matthias und reise gerne fernab der Massentourismuspfade, aktiv und abenteuerlich, aber zugleich auch genussvoll und entschleunigt. Am liebsten mit Rad, Rucksack oder Handgepäck. Auf diesem Blog findest du neben Reiseberichten und Tipps auch Interviews, Gedanken, Gastartikel und viele Eindrücke zum Reisen mit dem Fahrrad.

Discussion1 Kommentar

  1. Nachhaltiges Reisen reverse
    Zur Zeit mache ich einen einjährigen weltwärts-Freiwilligendienst in einer NRO in Cusco, Peru. Die Organisation finanziert sich großteils über nachhaltigen Tourismus. Sie haben ein sehr schönes, nicht zu teures Hotel in guter Lage in Cusco. Mangels vernünftigen Marketings läuft dieses aber nicht optimal. Hat jemand eine Idee, wie man ein solches Hotel vor dem Hintergrund des Nachhaltigen Tourismus promoten kann? Gibt es spezielle Plattformen dafür? Mit einer Antwort würdet ihr uns und unserem Engagement gegen Menschenhandel und Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen sehr weiterhelfen.
    Hier übrigens die Website von unserem Hotel http://www.caith.org

    Vielen Dank und liebe Grüße aus den Anden

    Gerri

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